Ein Blick in den Heizspiegel: So viel geht noch beim Energiesparen

Der Blick in den Spiegel ist ein tägliches Ritual, um seinen Style zu prüfen. Ein Check der Heizung ist zwar nicht so oft notwendig. Dennoch lohnt sich ein regelmäßiger Blick in den „Heizspiegel“. Diese Statistik des Heizenergiebedarfs deutscher Haushalte veröffentlicht die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online jährlich und macht die Daten für Haushalte vergleichbar. Hier ein paar Schlussfolgerungen, die Ihr für Euren Energieverbrauch ziehen könnt ...

Was zeigt der Heizspiegel Neues?

Ein Fachmann stellt den Volumenstrom an einem Heizkörper ein.

Optimierungen an der Heizung und an der Wärmeverteilung steigern die Energieeffizienz mitunter beträchtlich. Allerdings sollte das von Fachleuten gemacht werden.

Für den Heizspiegel 2022 hat co2online rund 190.000 Datensätze zentralbeheizter Wohngebäude der letzten Heizperiode ausgewertet. Die Angaben stammen von den Nutzern des HeizChecks, den co2online als Kostenrechner anbietet. Die Daten repräsentieren also den tatsächlichen Energiebedarf für Raumwärme und Warmwasser als Ergebnis des Nutzungsverhaltens und der energetischen Qualität der Gebäude. Aufgeschlüsselt nach Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr ergeben sich sehr aufschlussreiche Vergleichswerte. Zum Beispiel beträgt der niedrigste Verbrauch in typischen Einfamilienhäusern jährlich 95 kWh/m² bei Erdgasheizungen, 108 kWh/m² bei Ölheizungen und 27 kWh/m² Strom, wenn die Heizung eine Wärmepumpe ist. Diese Angaben entsprechen den effizientesten 10 Prozent der analysierten Verbrauchsdaten.

Nehmt Euch doch Eure letzte Heizkostenabrechnung vor und teilt den Jahresenergieverbrauch in kWh durch Eure Wohnfläche. Mit diesem Wert könnt Ihr in der nachstehenden Tabelle prüfen, wo Ihr mit Eurem Energieverbrauch steht – und passende Sparmaßnahmen einleiten.

Heizspiegel

Wie effizient ist Eure Heizung wirklich?

Eine Hausbesitzerin dreht am Raumthermostat.

Das Nutzungsverhalten wie zum Beispiel die Raumtemperatur dem Bedarf und der Anwesenheit anzupassen, spart Energie ohne Komfortverlust.

Ein Blick in den Heizspiegel offenbart: Die Hälfte der Hausbesitzer, die mit Erdgas heizen, verbrauchen mindestens 176 Prozent mehr Energie als die sparsamsten 10 Prozent der Verbraucher. Bei Eigenheimbesitzern, die eine Wärmepumpe nutzen, liegt der Unterschied bei 256 Prozent! Das Einsparpotenzial ist in den meisten Fällen also enorm. Doch wie könnt Ihr dieses Potenzial erschließen, wenn Euer Haus zur energieintensiven Hälfte gehört? Das lässt sich nicht pauschal beantworten, aber nachstehende Indizien helfen Euch, in die richtige Richtung zu gehen.

Benötigen Wärmepumpen unverhältnismäßig viel Strom, kann ein sehr hoher Warmwasserbedarf, eine zu hoch eingestellte Vorlauftemperatur oder hohe Wärmeverluste über eine unzureichend sanierte Gebäudehülle zu den Gründen zählen. Um die tatsächlichen Ursachen zu ermitteln, sprecht am besten Euren Heizungsbauer an. Ist Euer Haus noch nicht vollständig saniert, ist es sinnvoll, einen individuellen Sanierungsfahrplan zu erstellen. Diese Vorgehensweise wird gefördert. (Mehr dazu erfahrt Ihr in dem Blogbeitrag „Individueller Sanierungsfahrplan für Euer Haus: Von A wie Antrag bis Z wie Zuschuss“).

Zeigt der Blick in den Heizspiegel, dass Eure Erdgasheizung überdurchschnittlich viel Gas verbraucht, kann die Hauptursache natürlich auch an dem hohen Energiebedarf des Hauses aufgrund ungedämmter Fassaden- und Dachflächen sowie alter Fenster und Türen liegen. Vielleicht ist aber auch die Heizkurve nicht optimal eingestellt oder es sind andere Anpassungen notwendig. Zu empfehlen ist, eine Heizungsoptimierung von einem Fachbetrieb durchführen zu lassen. An den Kosten beteiligt sich der Staat mit bis zu 20 Prozent, laut „Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen“ (BEG EM). Voraussetzung für eine Förderung ist, dass die Heizung länger als zwei Jahre im Betrieb ist. Bei der Heizungsoptimierung werden sinnvolle Maßnahmen zur Energieeinsparung identifiziert. Ob und in welchen Zeitraum Ihr sie umsetzt, bleibt Euch überlassen.

Welche Maßnahmen senken kurzfristig den Energieverbrauch der Heizung?

Energieeffizienz ist das Zauberwort im Kampf gegen Klimawandel und Kostensteigerungen. Auf zwei Wegen lässt sich die Effizienz von Heizungen steigern: mit technischen Maßnahmen und Änderungen im Verbrauchsverhalten. Technische Anpassungen sollten immer von einem Fachbetrieb vorgenommen werden. Sonst könnte es zu einer „Verschlimmbesserung“ kommen. Ein Beispiel ist, die Temperatur an einem Trinkwasserspeicher unter 50 °C einzustellen. Das spart zwar Energie, aber wenn sich dadurch Legionellen bilden, ist die dann fällige Sanierung der Trinkwasserinstallation um ein Vielfaches teurer – von den gesundheitlichen Gefahren ganz zu schweigen. Besser ist, eine wassersparende Duschbrause einzubauen. Das reduziert den Warmwasserdurchfluss und spart so ebenfalls Energie.
Der zweite Weg zu mehr Energieeffizienz ist, sein Nutzungsverhalten zu überprüfen. Oft lässt sich mit wenigen Veränderungen viel Energie sparen, ohne an Komfort einzubüßen. Eine Liste dieser einfachen Maßnahmen findet Ihr in dem Blog-Beitrag „Energiesparen! Jetzt. Sofort. Und wirksam! Hier die Tipps.

Fazit

Nur ein kurzer Blick in den Heizspiegel hilft zu erkennen, wie effizient Eure Heizung wirklich ist. Laut co2online zahlen 90 Prozent aller Haushalte zu viel fürs Heizen. Die Wahrscheinlichkeit, Einsparpotenziale zu entdecken, ist somit sehr hoch. Interessant wäre zu erfahren, wie viele Leser von 21grad laut Heizspiegel einen niedrigen oder zu hohen Energieverbrauch haben, und wie viele im Mittelfeld liegen. Teilt gerne Eure Erkenntnisse in einem Kommentar.

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Mehr zur Förderung der Heizungsoptimierung erfahrt Ihr in unserem Ratgeber zur BEG EM.


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